Nach langen hin und her überlegen, ob ich mein mühsam eingerichtetes Gentoo aufgeben soll oder nicht, habe ich mich dazu durchgerungen auf eine neue Distribution umzusteigen.
Gentoo ist mir zwar sehr ans Herz gewachsen, ist aber auf Dauer zu anstrengend und zeitintensiv. Jede Programminstallation dauert Stunden, alles muss von Hand gemacht werden, das System wird wegen der Installationszeiten nur selten geupdatet. Was mich am meisten genervt hat sind bei einigen Programm-Installationen Pakete die sich gegenseitig blockieren, die Paket-Abhängigkeiten müssen dann mühsam von Hand aufgelöst werden (hab ich nie hin bekommen…).
Nachdem ein Freund die letzten Zweifel beseitigt hat, habe ich mich für Kubuntu entschieden.
Mit einem etwas komischen Gefühl in der Magengegend, das geliebte Gentoo aufzugeben, habe ich mich daran gemacht meine Daten zu sichern und anschließend die Installation zu starten.
Die Installation verlief Problemlos, es musste kaum etwas eingestellt werden, nach kürzester Zeit (ich glaube unter 20 Minuten) war das System auch schon startbereit. Ich war überrascht, das war die kürzeste Installation die ich bis jetzt erlebt habe.
Ich habe gelesen das Ubuntu schnell startet, aber das es auch auf meinem PC so schnell bootet hätte ich nicht gedacht. Knappe 25 Sekunden bis zum Anmeldebildschirm. Wooow das rockt…
Nachdem KDE 4 meinen Arbeitsspeicher in Beschlag genommen hat, lief es nicht mehr ganz so schnell. KDE 4 ist echt ein Krampf, Vista ist dagegen Ressourcenschonend.
Um flüssig arbeiten zu können habe ich mir wieder Enlightenment als Windowmanager installiert. Das war wesentlich schneller und einfacher als unter Gentoo möglich.
Die ganze Konfiguration des Systems ist sehr unkompliziert und Benutzerfreundlich, fast schon zu einfach für meinen Geschmack. Auch Softwareinstallationen gehen mit dem Paketmanager schnell von der Hand.
Bis jetzt bereue ich meine Entscheidung nicht, es läuft alles wunderbar. Etwas Feintuning hier und da ist noch nötig aber im großen und ganzen bin ich sehr zufrieden mit meinem neuen System.
Weil es mich schon lange nervt, das meine Systemzeit nie stimmt und sie sich (warum auch immer) nach einem Reboot wieder verstellt, nachdem ich sie eingestellt habe. Habe ich den Entschluss gefasst, das es so einfach nicht weitergehen kann und kurzerhand den NTP-Client installiert, um die Uhrzeit beim booten immer Sekundengenau mit einem NTP-Server aus dem Internet abzugleichen.
Folgend eine kurze Anleitung wie man dies einfach umsetzen kann.
Als erstes muss die Zeitzone stimmen. Für Mitteleuropäische Zeit wird “CET” verwendet.
Mit “date” kannst Du dir anzeigen lassen, welche Zeitzone aktuell gesetzt ist. Um die Zeitzone anzupassen kopiere die passende Zone nach /etc/localtime:
# cp /usr/share/zoneinfo/CET /etc/localtime
Als nächstes muss der NTP-Client-Dienst installiert werden:
# emerge -av ntp
Die NTP-Server sollten in der Datei /etc/ntp.conf angepasst werden, ist aber nicht zwingend erforderlich.
Bsp.:
# Pools for Gentoo users
#server 0.gentoo.pool.ntp.org
#server 1.gentoo.pool.ntp.org
#server 2.gentoo.pool.ntp.org
#server 3.gentoo.pool.ntp.org
#
server 0.de.pool.ntp.org
server 1.de.pool.ntp.org
server 2.de.pool.ntp.org
server 3.de.pool.ntp.org
Eine aktuelle Liste der deutschen Pool-Server findest du auf der NTP-Homepage
Um die Zeit beim Booten automatisch mit dem Internet abzugleichen:
# rc-update ntp-client add default
Zum Schluss kannst Du dich über eine Sekundengenaue Uhrzeit freuen.
Wenn man unter Gentoo ein Programm aus dem unstablezweig installieren möchte, kann man es in die Datei /etc/portage/package.keywords bzw. /etc/portage/package.unmask eintragen, um sie zu demaskieren.
Problematisch wird es wenn das zu installierende Paket Abhängigkeiten besitzt welche sich ebenfalls im Testzweig befindet. Um nicht jede Datei einzeln in die entsprechende Datei eintragen zu müssen gibt es das Programm autounmask.
# emerge autounmask
Die Benutzung ist einfach:
# autounmask category/package-version
z.B.
# autounmask media-sound/amarok-2.0.1.1
Damit werden alle für das Programm notwendigen Abhängigkeiten automatisch in die Datei /etc/portage/package.keywords eingetragen.
Nachfolgend eine Anleitung wie man Gentoo der deutschen Sprache mächtig macht.
Locales sind Informationen die von den meisten Programmen genutzt werden um die Spracheinstellungen des Systems zu ermitteln.
Um die Locale Systemweit zu setzen muss die Datei “/etc/env.d/02locale” bearbeitet werden, der Eintrag in der Datei sollte so aussehen:
LANG="de_DE.utf8@euro" # Setzt die Locale Systemweit auf Deutsch mit €-Zeichen LC_COLLATE="C" # Einstellung für die alphabetische Sortierung
Es muss env-update ausgeführt werden um dem System die Änderungen der Locale mitzuteilen:
# env-update source /etc/profile
Danach sollte der X-Server neugestartet werden.
Mit dem Befehl “locale” kann man überprüfen ob die Einstellungen übernommen wurden:
$ locale
Damit die Lokalisierung bei Programmen die es unterstützen funktioniert, müssen sie mit der USE-Flag “nls” (native language support) kompiliert werden (USE-Flag in /etc/make.conf hinzufügen).
Zusätzlich gibt es noch die LINGUAS-Lokalisierungs-Variable welche für die Lokalisierung von spezifischen Programmen wie kde-i18n oder OpenOffice zuständig ist. Diese Variable wird in der /etc/make.conf gesetzt:
LINGUAS="de"
Um ein deutsches KDE zu bekommen muss die LANG-Variable in der Datei “/etc/env.d/02locale” gesetzt sein. Danach das Paket “kde-i18n” installieren:
# emerge kde-i18n
Wenn KDE die Sprache nicht automatisch auf deutsch umstellt muss dies ggf. noch im Kontrollzentrum eingestellt werden.
Damit OpenOffice auf deutsch installiert wird muss die LINGUAS-Variable gesetzt sein. Danach OpenOffice über portage installieren, um die deutsche Version zu erhalten.
Über Portage gibt es leider keine deutsche Version von Firefox, was uns aber dennoch nicht daran hindert dem Fuchs deutsch beizubringen.
Zuerst muss auf der Seite Firefox Nightly Builds die Datei “de.xpi” heruntergeladen werden. Diese Datei findet man unter:
VERSION-candidates (z.B. 3.0.5-candidates) / buildX / linux-xpi / de.xpi
Nach einem Klick auf die Datei “de.xpi” will Firefox diese als neues Plugin bzw. Erweiterung installieren, hier einfach zustimmen.
Um Firefox auf deutsch umzustellen in der Adresszeile “about:config” eingeben.
Der Wert von “general.useragent.locale” muss auf “de” geändert werden. Nach einem Neustart des Programms spricht Firefox deutsch.
Um Befehle als normaler Benutzer ausführen zu können, für die man root-Rechte benötigt gibt es das Programm sudo.
# emerge sudo
Die Konfiguration wird in /etc/sudoers gespeichert. Diese Konfigurationsdatei sollte nur mit dem Editor “visudo” bearbeitet werden. Visudo stellt sicher, das die Datei nicht von mehreren Benutzern gleichzeitig bearbeitet wird, erhält die Berechtigungen und überprüft die Syntax.
Die grundlegende Syntax sieht so aus:
user host = command
Um zum Beispiel einem Benutzer zu gestatten den Befehl “halt” zu verwenden, muss der folgende Eintrag in der Datei /etc/sudoers gemacht werden:
username localhost = /sbin/halt
Um einer Gruppe den Zugriff auf bestimmte Befehle zu gestatten, muss der Benutzername durch den Gruppennamen mit vorrangestellten % ersetzt werden.
%users localhost = /sbin/halt
Standardmäßig wird der Benutzer beim Ausführen eines Befehls nach seinem eigenen Passwort gefragt, um Missbrauch vorzubeugen. Das kann mit NOPASSWD umgangen werden:
%users localhost = NOPASSWD: /sbin/halt